Rebstock

Vorderer- und Hinterer Rebstock

(Herleitung des Namens, Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse)

Für einige Straßen-/Gebäudebezeichnungen unserer Stadt liegen keine Primärquellen vor, aus denen die Namensgebung schlüssig nachvollziehbar ist. Hier sind beispielhaft zu nennen: Biebrichsbach, Spießweiher, Fuhrmannskapelle oder Eichwiese. So kann man feststellen, dass es durchaus unterschiedliche Interpretationen gibt, oder die Begriffe ungeprüft und ohne Hinterfragung immer wieder verwendet werden.

So ist es auch mit der Straßenbezeichnung Rebstock

Naheliegend wäre die Ableitung von Trauben-Rebstöcken, die irgendwann im Bereich des Schlossberges kultiviert wurden.

So erwähnt Possel-Dölken in seiner „Geschichte der Stadt Montabaur“ auf Seite 295: „Wein wurde im 17. Jahrhundert in Montabaur zwar noch in geringen Mengen am Burgberg oberhalb des Rebstocks angebaut“

In der vorhandenen Literatur finden wir jedoch, wie bereits erwähnt, unterschiedliche Interpretationen.

Ableitung von:

  • Weinstöcken, Reben  ( Dr. H. J. Roth, „Montabaur in alten Ansichten“ )
  • einem Gasthaus (desgl.)
  • einem Hausnamen (Heinrich Fries, Aufzeichnungen StA Abt. 9.4.)


Rebstock

Weinstöcke, Reben

Mindestens seit 1600 sind für Montabaur Weinwirte und Regelungen für den Ausschank  bezeugt[3]. Während der Import von Bier in die Stadt zu dieser Zeit ausdrücklich untersagt war, finden wir für Wein folgende Regelung: {...} und dadurch oder sonsten kein Wein in der Stadt zu bekommen geweßen, hat Ein Erbar Rath ausschicken und Wein in die Stadt kauffen mueßen.“

Daraus könnte man nun schließen, dass in der Stadt selbst Wein gekeltert wurde und demzufolge auch in gewissem Umfang Weinbau stattgefunden hat. Da jedoch auf Grund der  geologischen und geographischen Gegebenheiten sicher nur von einem bescheidenen Umfang ausgegangen werden kann, war bereits ein Import von Wein behördlicherseits geregelt und zugelassen. Einer Importerlaubnis ging allerdings eine strenge Bestandaufnahme von Haus zu Haus durch Bürgermeister und Baumeister voraus.

Da Bier und Wein zu dieser Zeit mehr oder weniger zu den Grundnahrungsmitteln zu rechnen waren und zum täglichen Verzehr zur Verfügung stand, sah der Rat der Stadt darin auch eine gute Einnahmequelle im Form einer Accise.

Seit Jahrhunderten zählt Bier und Wein mit zu den von Klöstern produzierten Nahrungsmitteln, die allerdings im Mittelalter weitgehend dem Eigenverbrauch dienten.

Nach einer Sage[5]  finden wir „ {...}hier am Ausgang des Hinteren Rebstocks stand vor langen Jahrhunderten ein kleines Frauenkloster“.  Da Sagen meist auch auf einen Kern Tatsachen zurück zu führen sind, ist nicht auszuschließen, dass sich im Schatten der Burg tatsächlich einmal ein Kloster befunden hat und man den frommen Nonnen bedenkenlos Weinbau unterstellen kann.

Der Rebstockbereich gehört mit zu den ältesten bebauten Straßen in der Stadt. Die, in diesem Bereich teilweise noch erhaltenen historischen Häuser geben ein Zeugnis davon, indem wir an der Hausfassade Motivschnitzereien sehen können, die auf den Wein(bau) schließen lassen. Bereits 1450 wird in einer Urkunde ein „Haus in dem Rebenstock und 1685 wird der Name „Uffm Rebenstock“ erwähnt.

Stadtarchivar Heinrich Fries ging dabei davon aus, dass erste Besiedlung zunächst stadtseits am Vorderen Rebstock erfolgte. Mithin finden wir an den Schlossbergabhängen im Nordosten und Südosten (heute „Hinterer Rebstock“) ausreichende Hangflächen zur Anlegung von Weinstöcken. Dazu fehlt eigentlich nur eine Flurbezeichnung „Wingert“ (oder ähnlich), die sonst auch auf (ehemalige) Weinbauflächen hinweisen.

Auch nach der vollständigen Bebauung des Rebstocks findet man versteckt, oft nur durch enge kurze Gässchen zugänglich, hinter den Häusern noch kleine, manchmal steile Gärtchen.

Bei Heinrich Fries finden wir dann auch den Hinweis, dass sich an einem Haus in der Bahnhofstraße, am Aufgang zur Burgstraße (Rebstock) ein stattlicher Rebstock befunden hat, ebenso an einem Haus links am Beginn des Vorderen Rebstocks.

Gasthaus
Eine andere Interpretation geht davon aus, dass sich im Bereich des Rebstocks ein Weinausschank / Gasthaus befunden hat und den Namen „Zum Rebstock“ führte. Für diese Möglichkeit liegen jedoch keine  Belege oder Hinweise vor.

Hausnamen
Heinrich Fries hält auch Hausnamen von Anwohnern als Namensgeber für das Areal für möglich. So zitiert er Archivmaterial, dass für 1589 „das Haus der Rebenstuck“ bezeugt und bereits 1387 ein Familienname „Rebestocker“  vorkommt. In einem Erbschaftsfall, dessen Testament auf den 26. Juni 1450 datiert ist, wir ein „ Andreas aus dem Rebestock“  als Erblasser genannt.

Aus dem „Deutschen Namenslexikon“ erfahren wir jedoch, dass diese Namen (Rebmann, Reber, Rebstocke, usw.) von Weinbergbauern abgeleitet sind. 


Engagement der „Deutsch-französischen Gesellschaft“ (DFG)
(Mitteilung von Frau Christa Graf vom 17.11.2018)

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Montabaur hat den Weinberg im Jahre 2007 angelegt. Auf der Südseite des Schlossberges wurde der Hang gerodet und im Herbst wurden 21 Chardonnay-Reben aus Tonnerre und 21 Rieslingtrauben aus Deutschland gepflanzt. Im Jahr 2009 fand die erste Ernte statt, damit wir im Jubiläumsjahr 2010 eine Cuvée de Jumelage anbieten konnten.

Die französischen Reben hatten es immer sehr schwer auf dem Gelände, die deutschen gediehen besser.

Der Weinberg wurde von der DFG Montabaur aufwändig gepflegt.

Im August 2016 haben wir den Weinberg an die ADG zurückgegeben, da die Pflege für unsere Vorstandsmitglieder, die auch schon alle älter sind und nach dem Tod unseres Vorstandsvorsitzenden Jörg Harlé im Jahre 2015 nicht mehr zu schaffen war, das Gelände ist ja sehr steil. Wir sind froh, dass die ADG den Weinberg weiterhin pflegt.


Fazit
Alle möglichen Alternativen und Interpretationen ergeben sich m. E. aus der Erläuterung zu Ziff 1), sodass die Herleitung der Straßenbezeichnung „Rebstock“ auf -wenn auch bescheidenen – Weinbau im Bereich des Schlossberges schlüssig hinweist. 


Bernd Schrupp 01/2020





Literatur/Quellen:

Bahlow, Hans, Deutsches Namenslexikon, Suhrkamp Taschenbuchverlag, 1972
Fries, Heinrich, Schreibmaschinenkonzept undatiert; StA Montabaur Abt. 9.4. Nr. 182

Kalb, Walter, „Sagen der Heimat: Die Nonne von Montabaur“ vermtl. Westerwälder Zeitung, o.J.

Künzer, Beatrix, „Vorderer Rebstock und Hinterer Rebstock“ IUS-Archiv, Manuskripte, Wochenblatt der VG-Montabaur Nr. 7 vom 17.02.1995.

Meister, K. A. A., „Geschichte der Stadt und Burg Montabaur“, Verlag Sauerborn, Montabaur 1876

Roth, Hermann Josef, „Montabaur in alten Ansichten“, Verlag Europäische Bibliothek, Zaltbommel NL,

Possel-Dölken, „Geschichte der Stadt Montabaur“ Teil 2, Bd. 1, Montabaur, 2014

Fuchs, Konrad und Raab, Heribert, „Wörterbuch zur Geschichte“10. Aufl. , Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1996

Stadtarchiv Montabaur, Abt. 9.4.

Löwenguth, Franz Josef,“Montabaur Anno Dazumal“

Tilch, Karl, Bilder erzählen.



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