Friedhof

 

Geschichte und Entwicklung des städtischen Friedhofs

Der Friedhof der Stadt Montabaur wurde an dieser Stelle im Jahre 1829 neu angelegt und bis heute abschnittsweise erweitert.

Erzbischof Clemens Wenzelslaus von Sachsen [1] erließ im Jahre 1778 eine Verordnung, wonach Leichen innerhalb der Kirche St. Peter in Ketten nicht mehr bestattet werden durften. Während die (katholische) Bürger der Stadt auf dem Kirchhof, der sich unmittelbar um die Kirche befand, bestattet wurden, fanden in der Kirche die Honoratioren, hohe Würdenträger und Pfarrer ihre letzte Ruhestätte. Durch Mehrfachbelegung der Liegeplätze und oftmaliges Aufnehmen der Fußbodenplatten schlossen die Grablegen nicht mehr dicht ab, und es drang Verwesungsgeruch in den Kirchenraum. Das Verbot wurde notwendig, da in der Kirche Überbelegung drohte und die hygienischen Verhältnisse (Leichengeruch) nicht mehr der Würde  des Gotteshauses entsprachen.

Aus diesen Gründen mussten auch die meisten Leichen aus der Kirche entfernt werden. Nur die Leichen in der Familiengruft der freiherrlichen Familie von Esch zu Langewiesen verblieben noch bis 1876/1910 in der Kirche. Durch die Umbettung der Leichen aus der Kirche und verstärkter Bestattung evangelischer Christen musste der Kirchhof hinter der Kirche durch Zukauf städtischer Grundstücke [2] im Jahre 1802 erweitert werden.

Allerdings war bereits absehbar, dass der Bestattungsort um die Kirche längerfristig nicht ausreicht. Außerdem wurde durch die nassauische Landesregierung verlangt, einen Friedhof am Stadtrand neu anzulegen. Nachdem die zunächst ausgewählte Fläche um die Kreuzkapelle an der Koblenzer Straße nicht den Anforderungen entsprach, erwarb man vier Äcker an der Straße nach Holler, am Ende der Peterstorstraße, in der Flur „auf dem Kalk“ [3].

Der Bau einer Friedhofskapelle [4] (bis dahin mussten die Leichen im Hause aufgebahrt bleiben) und die Anlage einer besonderen Priestergrablege machte 20 Jahre später  eine erste Erweiterung notwendig.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde 1921 für die gefallenen Soldaten ein Gedenkstein aufgestellt und ein Ehrenhain angelegt.

Darüber hinaus ließen 1921 der Turnverein, der katholische Gesellenverein und das Lehrerseminar eigene Gedenktafeln ihrer gefallenen Mitglieder und Lehrer anfertigen.  Diese Tafeln befinden sich im mittleren Teil des Friedhofs, an einer Mauer entlang eines Weges zum unteren Stelen-Urnenfeld.

Auf Initiative des „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ plante man auf dem Friedhof von Montabaur die Anlage einer zentralen Begräbnisstätte für die gefallenen Soldaten des 2. Weltkriegs. Dazu wurde durch Anlage einer großzügigen Geländestufe der Friedhof nach Osten erweitert. Auf das neu gestaltete Gräberfeld wurden viele Soldaten umgebettet, die zunächst im Bereich des Westerwaldes an verschiedenen Orten (meist an Ort und Stelle des Todes) bestattet waren. So fanden 1009 gefallene Soldaten hier nun eine letzte Ruhestätte. Die Einweihungsfeier des Ehrenhains erfolgte  am Sonntag, dem 28. Juli 1957.

Wegen höherer Begräbniszahlen infolge der städtischen Entwicklung wurde 1970 eine neue größere Einsegnungshalle gebaut. Die bisher als Friedhofskapelle genutzte nunmehr „alte Kapelle“ wurde 1985 zu einer Gedenkstelle für die Opfer des Nationalsozialismus umgestaltet.

Der Friedhof erfuhr eine erneute Erweiterung durch Anlage weiterer Geländestufen, bis hinab an die Gelbachtalstraße, an der ein weiterer Parkplatz angelegt wurde.

Beide Ehrenhaine wurden im Jahre 2007 umfassend neu gestaltet, gärtnerisch und optisch aufgewertet. Zeitgleich wurde für die bisher in der alten Friedhofskapelle hängende ehemalige Rathausglocke ein neuer Standtort hergerichtet. Als „Friedensglocke“ begleitet sie nunmehr die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag.

Der älteste Grabstein konnte in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch lokalisiert werden. Walter Kalb schreibt in seinem Beitrag im Kreisblatt für den Unterwesterwald: “Der älteste noch erhaltene Stein auf dem neuen Friedhof wurde um 1914 von seinem Grab entfernt, aber wegen seiner altertümlichen Form und Schrift in der oberen Ecke (?) aufgestellt. Als man aber zur Kunozeit [5] dort  gearbeitet wurde, legte man den Stein verständnislos neben den Wasserhahnen, um die Kannen aufstellen zu können. Sehr beschädigt liegt er heute noch dort:"

Die Inschrift lautet sinngemäß:
"Hier ruhet die Leiche des Verstorbenen Adam Milbach zu Montabaur.
Geboren den 19. Merz 1796 gestorben den 27. Nov. 1831 er ruhe in Frieden"

Größe:
Der Friedhof erstreckt sich heute von der in West-Ost-Ausrichtung verlaufenden Peterstorstraße, hangabwärts bin zur im Tal verlaufenden Wirzenborner Straße über eine Fläche von ca 4,5 ha.

Besitzverhältnis:
Der Friedhof befand sich noch bis 1858 im Besitz der katholischen Kirchengemeinde, bevor das Gelände mit Urkunde und Vertrag vom 23. Oktober 1858 in das Eigentum der Stadt Montabaur überging.

Ausblick und weitere Planung:
Im Jahre 2016 erarbeiteten 34 Studenten der Hochschule Geisenheim University, Schwerpunkt Garten- und Landschaftsbau, unter der Begleitung von Prof. Gerd Helget und Thomas Muschkulus  Entwürfe für die Umgestaltung des städtischen Friedhofs. Am 9. Mai 2016 präsentierten die Studenten  durch ihre Arbeitsgruppen 7  Entwürfe unter der Oberbezeichnung  „Friedhofskultur Montabaur – Umgestaltung des Friedhofs der Stadt,"

Nach einer öffentlichen Vorstellung, sowie der Beratung und Beschlussfassung im Stadtrat übernahm die Stadt einige der Anregungen, die nunmehr zeitnah umgesetzt werden. Erste Maßnahmen waren weitere Baumpflanzungen und Aufbau einer Pergola über einer Wegekreuzung, als Blickfang der neuen Anlage. Anschließend an den historischen  Bereich und dem Ehrenhain für die Gefallenen des 1. Weltkriegs wurde ein Platz für Urnenstelengräber und Urnengräber mit einer mit Stauden bepflanzten Fläche geschaffen.

(siehe hierzu auch Städtischer Friedhof soll umgestaltet werden


Weitere Besonderheiten:

Ehrengräber
Insgesamt sind 13 Grabstellen angelegt. Zu den bekanntesten Personen, denen auf diese Weise eine besondere Ehrung zu Teil wurde, gehören beispielsweise: Die Ehrenbürger Joseph Kehrein und Philipp Gehling, die Ordensschwester Bonita Degenhard, der Kirchenmusiker und Musikpädagoge Karl Walter (siehe gesonderte Info-Tafel).

 

Historische Grabdenkmäler:
Rechts des Weges, der vom östlichen oberen Zugang (Straße „auf dem Kalk“) in Richtung alte Kapelle führt, liegen eine Anzahl historischer Grabstellen und eindrucksvoller Grabmale. Dieser Bereich wird nur sehr eingeschränkt und auf das Notwendigste beschränkt gärtnerisch gepflegt, um das besondere Flair dieser alten Kulturgüter zu erhalten. Weitere historische Gräber, auch prominenter Stadtbürger finden sich an den östlichen und westlichen Umfassungsmauern des oberen Friedhofsteils.

 

Grabstätte der Familie von Esch zu Langewiesen

 Grabmahl der Fam. Von Esch von 1910

Grabmahl der Fam. Von Esch von 1910


Um 1680 erwarb der Reichsfreiherr Eremund von Esch von den Herren von Irmtraud das Hofgut „Langwiesen“, in der Gemarkung Meudt. Die Familie von Esch wählte zur Familiengrabstätte die kath. Kirche St. Peter in Ketten“ in Montabaur. Freiherr von Esch ließ eine massive ausgewölbte Gruft anlegen. Die Grablege diente danach 133 Jahre als Familiengrab, in der zuletzt Särge von 13 von Familienmitgliedern standen. Wegen des maroden Bauzustandes und der hygienischen Bedingungen wurden 1825 von der herzoglich nassauischen Landeregierung weitere Bestattungen verboten. Nachdem 1829 noch ein Familienmitglied auf dem alten Kirchhof hinter der kath. Kirche bestattet worden war, wurde auf dem 1829 neu angelegten städtischen Friedhof hier ein besonderer Platz für das Familienbegräbnis angelegt. Als erster wurde der letzte Besitzer des Hofgutes Langwiesen,  Friedrich Freiherr von Esch am 6. März 1832  hier bestattet. Die Gruft in der Kirche wurde 1886 noch einmal saniert und restauriert, musste aber 1910, zur Anlage eines Heizungsraumes, endgültig geräumt werde. Die Gebeine aus 10 Särgen wurden auf den Friedhof umgebettet. Das Grabmal wurde von seiner Tochter Anna Thekla und deren Ehemann Friedrich Wilhelm Gouverné „zum bleibenden Denkmal“ errichtet.

 

Weitere Friedhöfe:

Jüdischer Friedhof
Ein gut erhaltener und gepflegter jüdischer Friedhof liegt an der Albertstraße. Zurzeit sind 86 Grabstellen vorhanden. Das älteste Sterbejahr wird  mit 1796 angegeben, der jüngste Grabstein ist für den 14. Januar 1939 datiert. Eine besondere Broschüre, die als Heft 7 der „Schriftenreihe zur Stadtgeschichte“ 2001 erschienen ist, behandelt die Grabinschriften des jüdischen Friedhofs, die Adalbert Böning aufgearbeitet hat.

 

Friedhof der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder
Für die Mitglieder der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder in Montabaur wird von der Ordensgemeinschaft ein eigener Friedhof unterhalten. Der Friedhof liegt auf dem ordenseigenen Gelände, in unmittelbarer Nähe zum städtischen Friedhof, jenseits am Ende der Peterstorstraße

 

(Stand: 10/2018) Bernd Schrupp 10/2108






[1] Erzbischof von 1768 bis 1812

[2] Ehemaliger “Amtsplatz” http://www.montabaur.de/montabaur/de/STADT%20&%20POLITIK/Stadtgeschichte/Stadtlexikon/Stadtlexikon%20A%20-%20Z/A/Amtshaus/

[3] http://www.montabaur.de/montabaur/de/STADT%20&%20POLITIK/Stadtgeschichte/Stadtlexikon/Stadtlexikon%20A%20-%20Z/A/Auf%20dem%20Kalk/

[4] heute  zentrale Gedenkkapelle für die Opfer des Nationalsozialismus.

[5] Karl Josef Wilhelm Cuno, * 1876, U 1933, 1922/1923 parteiloser Reichskanzler.



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