Straße „Auf dem Kalk“

Außer dem Straßennamen finden wir diese Bezeichnung auch als Flurbezeichnung für das Gelände um den städtischen Friedhof, von der Peterstorstraße bis hinab zum Gelbachtal.

Kalkbrennereien gehören zu den ältesten Produktionsverfahren für Baustoffe und sind bereits um 11.000 v. Chr. belegt. Kalkbrennereien finden wir vom Altertum bis in die Neuzeit auch in Klein- Einmannbetrieben. Durch Wärmebehandlung (Brennen) zwischen 900 und 1.200 Grad wird aus Kalkstein (Calziumcarbonat) der Branntkalk (Calciumoxid) gewonnen. Durch den Zusatz von Wasser kann der Branntkalk u.a. als Kalkfarbe und Kalkmörtel Verwendung finden.

Für Montabaur begegnen uns im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach dem großen Stadtbrand von 1534 in Montabaur erste Nachrichten über Kalkbrennereien. Eine Straßenübersicht aus 1705 bezeichnet die „Hollerer Straße als „über den Kalk“ führend [1]. Mitte des 17. Jahrhunderts und später  wird jedoch unter anderem für die umfassende Wiederaufbauarbeit nach den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg Kalk von auswärts bezogen, da die heimischen Kapazitäten dazu bei weitem nicht ausreichten. So wurden z. B. noch 1811 37 t. Kalk zum Verputzen der katholischen Kirche von auswärts bezogen[2].

Aber auch im Umfeld der Stadt finden wir weiterhin Kleinunternehmer mit Kalkbrennöfen. In einem Kaufvertrag vom 20. Oktober 1840 ist zu lesen: „ Betr. Ankauf eines der Vicarie St. Martinum zustehenden Gartens von Seiten des Christian Hagelauer. Der […] hat um käufliche Überlassung eines der Vicarie zustehenden an seine Kalkbrennerei anstoßenden Gartens bei Herzoglicher Landesregierung angestanden“ (Quelle Stadtarchiv  Montabaur Abt. 3 Nr. 19)

Die Lage dieses Gartens ist zwar nicht genau bekannt, die Nähe zur Kirche einerseits und der wegen der Feuergefahr notwendige Abstand zur damaligen Wohnbebauung andererseits ist durchaus eine schlüssige Erklärung für die Lage der Flur „Auf dem Kalk“.

Bernd Schrupp 09/2018

 





[1] Possel-Dölken, Paul: „Geschichte der Stadt Montabaur“, Teil 2, Bd. 1, Montabaur 214.

[2] Ackva, Wolfgang: „ Der Stadtmagistrat als Verwalter der Pfarrkirche ...“ Heft 11 der Schriftenreihe zur Stadtgeschichte, Montabaur 2009



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