Amtshaus, Amtsplatz, Amtmannsgarten

von Bernd Schrupp

In der geschichtlich Literatur über die Stadt Montabaur finden sich die Begriffe „Amtshaus“, „Amtsplatz“ und „Amtmansgarten“. Während noch einige ältere Mitbürger wissen, wo sich der „Amtsmannsgarten“ befunden hat (heute: "Konrad-Adenauer-Platz“), kennen nur wenige die Lage und Bedeutung des ehemaligen Amtshauses und Amtsplatzes.

 

Der Amtmann

Erzbischof Balduin von Luxemburg (Regierungszeit 1132 - 1307) begann um 1300 damit, Verwaltungsbezirke im Erzstift Trier als „Ämter“ einzurichten. Den neu geschaffenen Ämtern stand der kurfürstliche Amtmann als Vertreter des Kurfürsten vor. Im Jahre 1235 manifestiert sich eine beginnende Verwaltungsstruktur durch eine Burgmannschaft unter dem Burggrafen (ältere Bezeichnung für Amtmann)  Ruprecht von Nassau. Weitere 24 adelige Burgmannen aus dem Dienstadel des Westerwaldes und der Stadt Koblenz verstärken die Burgbesatzung (um 1400 zählte man 53 Burgmannen). Nachdem diese zunächst überwiegend Sicherungsaufgaben erfüllten, setzte Erzbischof Boemund von Warsberg mit Ritter Hermann von Helfenstein den ersten belegten Amtmann (1293 genannt) für das Amt Montabaur ein.

Der Amtmann, als Vertreter des Landesherrn vor Ort, hatte im Wesentlichen für den allgemeinen (militärischen) Landschutz, die Verwaltung des nicht ökonomischen Bereichs einschließlich der Rechtspflege und die Fürsorge des Burggesindes, sowie die Unterhaltung der Burganlage zu sorgen.

 

Das Amtshaus 

Der Amtssitz des Amtmanns und seiner Mitarbeiter war zunächst im Schlossbereich untergebracht. Nachdem bereits um 1420 der Dienstsitz des Amtskellners (Der Amtskellner oder Keller war neben dem Amtmann zuständig für die ökonomischen Belange) in ein Gebäude in der Judengasse verlegt worden war, wurde 1691 auch die Verwaltung des Amtes in die Stadt verlegt. Anlass war unter Umständen der Umbau des Schlosses ab 1686, der offensichtlich eine größere Baumaßnahme darstellte.

Kurfürstlicher Amtmann war seit 1685 – wohl mit Planung und Beginn der Baumaßnahmen – Johann Philipp von Reiffenberg. Er stammte aus dem Westerwälder Zweig des Adelsgeschlechts Reiffenberg, deren Stammsitz in Oberreifenberg im Taunus liegt.

Als Burgmannen der Grafen  von Sayn begründeten sie im 14. Jahrhundert den Westerwälder Zweig dieses Adelsgeschlechtes. Dort, am Fuße der Burg Sayn, errichteten die Reiffenbergs den so genannten „Burgmannshof“ als festen Wohnsitz, der später zum Schloss Sayn ausgebaut wurde. Obwohl Johann Philipp von Reiffenberg sich oft an diesem Wohnsitz  aufhielt, erwarb er als kurfürstlicher Amtmann an seinem Dienstsitz in Montabaur offensichtlich Grundbesitz, der als „Reiffenbergischer Garten“ überliefert ist. Ein Grund hierfür war sicher auch die relativ lange Amtszeit in Montabaur, die bis 1709 immerhin 24 Jahre andauerte.   

Das Areal lag am Ende der oberen Elisabethenstraße und umfasste sicher auch noch einen kleinen Teil des so genannten Gebücks. Das Gelände befand sich zu dieser Zeit vermutlich topografisch noch im ursprünglichen Zustand. Eine Landschaft gestaltende strukturierende Maßnahme erfolgte erst 1766 mit der Anlage der Stützmauer entlang der Judengasse (Elisabethenstraße), parallel zur Pfarrkirche.

Am 23. April 1691 wurde der Grundstein zum Bau des neuen Amtssitzes im Reiffenbergischen Garten gelegt. Der Bedeutung des neuen Amtshauses angemessen, erfolgte die Grundsteinlegung unter Anwesenheit der Montabaurer Honoratioren, unter Führung von Bürgermeister Hubert Grandjean, während der Vikar Jacob Leuterod den Grundstein weihte.

Das Gebäude stand hinter der Kirche St. Peter in Ketten, vermutlich an der nord-östlich verlaufenden Stadtmauer im Gebück. Eine Karte aus dem Jahre 1797 zeigt in diesem Bereich 2 Gebäudekomplexe. Im Größenvergleich könnte es sich aber auch um Stallungen handeln, die dem Anwesen des Johann Philipp von Reiffenberg zuzuordnen sind. Ein „Amtshaus“ lässt sich dagegen zweifelsfrei nicht lokalisieren. Das Amtshaus war bis mindestens 1802 an dieser Stelle Dienstsitz der kurfürstlichen Amtsverwaltung.

 

Der Amtsplatz

Hinter der Pfarrkirche und vor dem Amtshaus, lag der so genannte „Amtsplatz“, der an den Kirchhof grenzte. Der Kirchhof umgab die Kirche und reichte vor der Kirche bis an die Kirchstraße.

Der Amtsplatz wurde vermutlich für Märkte und sonstige öffentliche Veranstaltungen genutzt, jedenfalls ist z. B. für 1779 dort ein Pferdemarkt bezeugt.

Weitere Angaben zum Zweck und Nutzung des Amtsplatzes sind nicht überliefert. Ende des 18. Jahrhunderts hat er jedoch offensichtlich an Bedeutung verloren.


Verlegung der Amtsverwaltung und Aufgabe des Amtsplatzes

Bis 1778 erfolgten Bestattungen nicht nur auf dem Kirchhof, sondern auch für bestimmte Honoratioren und Geistliche in der Kirche selbst. Die Bestattungen in und außerhalb der Kirche gaben jedoch zunehmend Anlass zu Klagen, zumal Leichenteile wegen der unzureichenden Überdeckung sichtbar wurden, bzw. sich in der Kirche Bodenplatten lösten.

Auch die Familiengruft der adeligen Familie von Esch war baufällig, sodass durch eine kurfürstliche Anordnung die Bestattung in der Kirche verboten und eine Neuanlage sowie Erweiterung des Kirchhofs notwendig wurde. Am 14. Mai 1802 konnte die Stadt Montabaur ca 3000 qm des so genannten Amtsplatzes von der kurfürstlichen Kameral-Kommission erwerben, um den Kirchhof in Richtung Gebück zu erweitern.

Vermutlich im Zuge der Erweiterungsmaßnahmen und der teilweisen Neuanlage des Kirchhofs um die Pfarrkirche wurden das Amtshaus und der Amtsplatz aufgegeben. Die etwa zeitgleiche Übernahme der staatlichen Gewalt durch das Fürstentum Nassau-Weilburg und der damit einher gehenden Umorganisation der ehemaligen kurfürstlichen Administration wird die Verlegung der Amtsverwaltung mit beeinflusst haben.

Die Amtsverwaltung wurde vorübergehend vermutlich wieder in das Schloss verlegt.

 

Der Amtmannsgarten

Im Jahr 1641 hatten sich Franziskaner in Montabaur niedergelassen. Nach zunächst recht primitiver Unterbringung in Nebengebäuden des Hospitals konnte 1668 mit dem Bau eines Klostergebäudes begonnen werden. Die Klostergebäude entstanden auf dem östlichen Areal des heutigen Konrad-Adenauer-Platzes, am Ende der Klostergasse und gegenüber dem Beginn der Hospitalstraße, dem Gebäude der Nassauischen Sparkasse und Teilen des Rathauses der Verbandsgemeindeverwaltung. Bei Ausschachtungsarbeiten zur Tiefgarage Süd 1978 wurden an dieser Stelle Fundamentreste sichtbar und dokumentiert.

Mit dem Klosterbau wurde westlich, in Richtung der Wilhelm-Mangels-Straße, um 1678 ein Klostergarten angelegt. Dieses Gelände, im späten Mittelalter auch „Badstubengarten“ genannt, erwarben die Franziskaner und legten dort den Klostergarten an. Der Garten, der von einer Mauer umgeben wurde, ist in der erwähnten Karte von 1797 bereits als strukturierte Anlage eingezeichnet. Da an Markttagen die Hauptstraße (Kirchstraße, Großer Markt) wegen der vielen Verkaufsstände der Krämer für eventuelle Einsätze der Feuerwehr kaum passierbar war, hatte sich die Stadt einen Fahrweg durch den Klostergarten, von der Hospitalstraße zum Steinweg, zur Nutzung vorbehalten. Mit Vertrag vom 10. Mai 1678 verzichtete die Stadt jedoch auf ihr Wegerecht, verlangte jedoch von den Franziskanern zwei Tore durch die Mauer anzulegen, um im Falle einer Feuersbrunst Zugang und Durchgang zum Steinweg und den dort gelegenen Gerbereien sicherzustellen. So wurde an der Westseite jeweils ein Tor angelegt. (Die Achse der Tore und des Fahrweges durch den Garten verläuft von Westen etwa von der Passage zwischen dem Gebäude der Nassauischen Sparkasse und dem ehemaligen Kaufhaus Hisgen zu der nördlich gegenüber  liegenden Passage zum Steinweg.) Das nördliche Tor zum Steinweg war mit einem Torbogen versehen. In einer Nische des Torbogens, der übrigens bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch bestand und auf Bildern aus dieser Zeit noch zu sehen ist, befand sich eine Statue der „Anna Selbdritt“, einer Heiligenfigur, die heute im Seniorenheim der Stadt Montabaur aufgestellt ist. Im Gartengelände wurde außerdem ein Fischteich angelegt, der 1766 noch einmal saniert wurde.

Am 27. Dezember 1802 übernahm Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau Weilburg (+ 1816) im Vorgriff  auf die territorialen Festlegungen durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25.02.1803 in Regensburg die staatliche Hoheit über Stadt und Amt Montabaur.

Die Gebietszuteilungen nach dem Deputationshauptschluss resultierten aus den linksrheinischen Gebietsabtretungen nassauischer Territorien an Frankreich. Dadurch kamen im Zuge der so genannten Säkularisation und Mediatisierung unter anderem rechtsrheinische Teile des ehemaligen Kurfürstentums/Erzstifts Trier mit dem Amt Montabaur 1802 an das Fürstentum Nassau-Weilburg; 1806 an das neu geschaffene Herzogtum Nassau.

Nach der territorialen Übernahme erfolgte 1803 die Aufhebung der meisten Klöster in den nassauischen Gebieten. Das Kloster in Montabaur konnte sich noch bis ins Jahr 1813 halten, bevor es aufgelöst wurde. Die Liegenschaften gingen in das Eigentum des Herzogtums Nassau über.

Nach einigen Verhandlungen mit der Stadt Montabaur, die beabsichtigte, in dem ehemaligen Kloster eine Schule einzurichten, entschied jedoch die nassauische Landesregierung, die Gebäude zukünftig als Sitz der Amtsverwaltung herzurichten. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte der damalige nassauische Amtmann, Justizrat Siegfried, am 20. September 1817 seinen Dienstsitz im Untergeschoss beziehen, während er im Obergeschoß Wohnung nahm. Seit dieser Zeit wird der ehemalige Klostergarten im Volksmund Amtmannsgarten genannt.

Die nassauische Amtsverwaltung blieb bis zur Annexion des Herzogtums Nassau durch das Königreich Preußen 1866/1867 in diesem Gebäude. Nach der Neuorganisation durch die neue Landesregierung wurde das Amtsgericht in dem Gebäude untergebracht, während die allgemeine Verwaltung in die neu geschaffenen Landratsämter eingegliedert wurde.

Nachdem nach 1848 der Amtmann nicht mehr in dem Gebäude wohnte, verlor auch der Garten an Bedeutung und wurde später als Festplatz – im Volksmund Juxplatz genannt – und mit Zunahme des Autoverkehrs auch als Parkplatz genutzt.

Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde auf dem Areal die Tiefgarage Süd gebaut.  Der Platz selbst wurde durch Neubauten des Verbandsgemeinde-Verwaltungsgebäudes, der Nassauischen Sparkasse, der Kreissparkasse und Geschäftshäusern umbaut. Der neu hergerichtete Platz des ehemaligen Kloster- und Amtmannsgartens (Juxplatz) wurde 1981 als Konrad-Adenauer-Platz seiner heutigen Zweckbestimmung übergeben.


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