Der Almosenhof

Neben dem Hospitalfonds bestand in der Stadt Montabaur eine weitere wohltätige Einrichtung: der Almosenfonds, der auch Almos oder Almoseney genannt wurde. Zu ihm gehörte der Almosenhof, der außerhalb der Stadtmauer vor dem Peterstor unterhalb des Lohmüllers Weiher lag. Diesen Namen trug früher der Brandweiher, der sich auf dem Gelände des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder von Montabaur an der Koblenzer Straße befand und 1998 zugeschüttet wurde. Die Lage des Almosenhofs – zwischen der Stadtmauer und der äußeren Stadtbefestigung aus Wällen und Gebücken – entsprach der Tradition, denn allgemein wurden Herbergen für Fremde, Durchziehende und auswärtige Kranke meistens vor der Stadt errichtet. Dadurch sollten in einer Zeit, in der häufig Seuchen wie z. B. die Pest auftraten, die Bewohner der Stadt von Ansteckung verschont bleiben.

Über die Anfänge des Almosenhofs ist nichts bekannt. Seine erstmalige Erwähnung fand er 1587 in einem Zinsregister. Es wird angenommen, dass er in der Hauptsache Wallfahrern als Unterkunft diente, die sich auf Pilgerfahrt zu einer der zahlreichen Wallfahrtsstätten befanden. Aufnahme fanden aber auch reisende Handwerksgesellen, deren Zunftordnungen vorschrieben, dass sie nach Beendigung ihrer Lehrzeit auf Wanderschaft gehen mussten, um bei auswärtigen Meistern ihr Wissen und Können zu erweitern, bevor sie selber Meister werden konnten. Deshalb waren die Montabaurer Handwerksmeister verpflichtet, eine gewisse Summe in den Almosenfonds einzuzahlen.[1]

Seit dem 17. Jahrhundert wurden im Almosenhof zunehmend heimatlose Arme und Bettler aufgenommen. Die Armenpflege musste der Hofmann des Almosenhofs übernehmen. Neben der Bewirtschaftung der zur Almos gehörenden Ländereien sollte er durchziehenden Bettlern und Armen behilflich sein, sie in der zum Almosenhof gehörenden Herberge betreuen und ihnen Nachtunterkunft geben. Die kranken und bettlägerigen Fremden hatte er in den nächsten Ort zu befördern, denn länger als 24 Stunden durfte kein Heimatloser an einem Ort verbleiben. Die in der Herberge Sterbenden musste er begraben.[2]

1783 verfügte die Oberkommission für fromme Stiftungen den Abbruch der Gebäude, die nach dem Konkurs des letzten Hofmanns leer gestanden hatten. Die vorbeiziehenden armen Fremden sollten über Nacht im Hospital untergebracht werden. An der Stelle der abgerissenen Gebäude wurde ein Garten angelegt. 1789 überließ man den Garten und die angrenzende Wiese im Tauschwege dem Amtsverwalter Damian Linz.[3]

Heute gehört dieses Grundstück an der Koblenzer Straße zum Komplex des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder zu Montabaur.

Der Almosenfonds hatte vielfältige Aufgaben zu bewältigen, die mit hohen Kosten verbunden waren. Die Renten und Kapitalien, die er besaß, stammten aus Stiftungen, wie es auch bei dem Hospitalfonds der Fall war. Die Renten bestanden aus Grundzinsen und anderen Grunderträgnissen, die durch Gebäude oder Grundstücke gesichert waren. Der Stadtrat oder der Stadtpfarrer verteilten die anfallenden Zinsen an Arme und Bedürftige in der Stadt.[4] Wie die Verteilung vorzunehmen war, richtete sich nach den Verfügungen, die die Stifter getroffen hatten. Verwaltet wurde die Almos durch den Almosenmeister, der jedes Jahr vom Stadtrat aus den 14 Ratsherren ausgewählt wurde. Für alle Verluste der Stiftung musste er mit seinem Vermögen haften.

Ingeborg Schewior M.A.  08/ 2016



[1] Vgl. StAM Abt. H 2 Nr. 67 (alte Signatur)

[2] Vgl. Fries, Almos, S. 2 f. (StAM)

[3] Vgl. Fries, a. a. O., S. 8 f.

[4] Vgl. Fries, a. a. O., S. 9

 

Literatur: Fries, Heinrich: Der Almosenfonds und die Almos zu Montabaur, unveröffentl., vervielf., o.O.,o.J. (StAM)

Abkürzungen: StAM - Stadtarchiv Montabaur

 


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