DIE GESCHICHTE DER JÜDISCHEN GEMEINDE

Besucht man Montabaur, stößt man immer wieder auf Spuren jüdischen Lebens. Deshalb ist es ein zentrales Anliegen der Stadt, die Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde aufrecht zu erhalten.

Juden lebten bereits im Mittelalter in Montabaur. Im Jahre 1336 wurde die jüdische Gemeinde erstmals nachgewiesen. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts erfolgte die Ausweisung aller Juden aus dem Kurfürstentum Trier und somit auch aus Montabaur. Bereits im 16. Jahrhundert siedelten sich aber wieder Juden mit Schutzbriefen der Kurfürsten in Montabaur an. In den folgenden Jahrhunderten lebten in unterschiedlicher Zahl Judenfamilien in den Nachbarschaften Rebenstock und Steinweg.

Erst im 19. Jahrhundert normalisierten sich die Lebensverhältnisse für Juden. Sie erhielten das vollwertige Bürgerrecht und die jüdische Gemeinde blühte auf. Die Juden konnten sich immer mehr integrieren und wurden zu einem wichtigen Bestandteil des religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Montabaur.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten änderte sich dies wieder grundlegend. Die Juden wurden immer mehr verfolgt; es kam zur Zwangsarisierung ihrer Geschäfte und Judenboykott. Nach der Reichskristallnacht versuchten die meisten der in Montabaur ansässigen Juden, so schnell wie möglich mit ihren Familien auszuwandern. Sie gründeten neue Existenzen in den USA, England, Dänemark Australien und Neuseeland. Insgesamt 25 jüdische Mitbürger fielen dem Holocaust zum Opfer.

Auf diese Weise fand die jüdische Gemeinde von Montabaur ein trauriges und tragisches Ende.

GEDENKTAFEL RATHAUS MONTABAUR

Eine Gedenktafel am Rathaus Montabaur erinnert an die Opfer:

Gedenktafel an die jüdische Gemeinde von Montabaur

Gedenktafel der Opfer aus Montabaur




Informationen zum Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Montabaur finden Sie in:

Markus Wild: Montabaur. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Montabaur.
Eine Dokumentation. Stadt Montabaur, 1991.

Markus Wild hat die Geschichte dieser Gemeinde in einem 1991, in dem Jahr der 700-jährigen Stadtrechte der Stadt Montabaur, herausgegebenen Buch dargestellt. Das Buch ist derzeit vergriffen, aber über das Stadtarchiv Montabaur einsehbar.


DVD: „Auf jüdischen Spuren durch Montabaur“.
Ein Film von Paul Widner und Peter Dick.

Der knapp vierzigminütige Film beleuchtet konkret und vor Ort das Schicksal der jüdischen Bürger von Montabaur. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 – 1945.


DIE SYNAGOGE IN MONTABAUR

Im Jahre 1691 ist erstmals ein Betraum in der Kirchgasse erwähnt. In diesem Betraum konnte die jüdische Gemeinde jedoch nicht lange bleiben. Die Judenordnung des Kurfürstentums Trier aus dem Jahre 1723 besagte nämlich, dass jüdische Häuser mindestens vier Häuser von christlichen Häusern entfernt stehen mussten. Deshalb wurde auf Betreiben der Anwohner der Kirchstraße für den Betraum ein anderes Gebäude gesucht. 1780 befand sich der Betraum der jüdischen Gemeinde im Vorderen Rebstock 26.

Als die Juden Ende der 1860er Jahre das vollwertige Bürgerrecht erlangten, gewann die jüdische Gemeinde an Bedeutung. Im Jahre 1869 wurde der Plan gefasst, eine neue Synagoge zu bauen, zumal die räumlichen Gegebenheiten bei weitem nicht mehr ausreichten. Da es an finanzstarken Gemeindemitgliedern fehlte und auch eine staatliche Beihilfe abgelehnt wurde, zögerte sich der Baubeginn bis in das Jahr 1888 hinaus. Die neue Synagoge wurde im Jahre 1889 auf dem Grundstück der Witwe Jakob Löb II in der Wallstraße errichtet.

Synagoge der jüdischen Gemeinde Montabaur


Wie in so vielen anderen Städten Deutschlands wurde auch in Montabaur in der Reichskristallnacht im Jahre 1938 die Synagoge in Brand gesetzt. Am Morgen des 10. November 1938 kam ein Rollkommando der SA Höhr und Grenzhausen mit Lastwagen nach Montabaur, sperrte mit Seilen die Wallstraße ab und zerstörte gezielt die Inneneinrichtung der Synagoge. Weitere Einrichtungsgegenstände wurden konfisziert und in die Diensträume der SA-Standarte Montabaur gebracht. Gegen 23.00 Uhr legten Angehörige der SA und der Zivilbevölkerung einen Brand in der Synagoge.

Um die letzten Erinnerungen an die jüdische Gemeinde in Montabaur auszulöschen, wurde bereits in den vierziger Jahren der ausgebrannte Torso der Synagoge auf Abbruch verkauft und an deren Stelle eine Autowerkstatt errichtet.

Eine Gedenktafel an der Wallstraße erinnert heute an den Standort der Synagoge.

Gedenktafel zum Gedenken an die Synagoge in Montabaur



DER JUDENFRIEDHOF IN MONTABAUR

Der jüdische Friedhof ist das beeindruckende Zeugnis der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Montabaur.

Der jüdische Friedhof von Montabaur

An der Albertstraße / Hunsrückstraße gelegen, umfasst er eine Fläche von

2703 qm. Aufgrund der Grabsteine bzw. der Reste von Grabsteinen konnten noch 86 Grabstätten ermittelt werden. Vermutlich hat es vormals mehr erhaltene Grabstätten gegeben. Etliche sind den Schändungen aus den Jahren 1943, 1953 und 1983 zum Opfer gefallen.

An welcher Stelle die Juden im Mittelalter ihre Toten bestatteten, ist heute nicht mehr bekannt. Fakt ist, dass es jüdischen Familien nicht erlaubt war, ihre Toten auf dem christlichen Friedhof an der Pfarrkirche St. Peter in Ketten innerhalb der Stadtmauern beizusetzen. Sie mussten ihre Familienmitglieder außerhalb der Stadt bestatten.

Die Stadtratsprotokolle vom 19. Mai 1685 und vom 12. Juni 1688 belegen, dass sich zu dieser Zeit der „Judenkirchhof“ schon an der heutigen Stelle befunden hatte.

Die älteste noch lesbare Grabinschrift stammt aus dem Jahre 1796. Der jüngste Grabstein könnte die für Erich Kahn sein, der am 14.01.1939 in Dachau ermordet worden ist.

Der Friedhof befindet sich im Besitz der jüdischen Gemeinde Koblenz. Für Pflege und Erhaltung des jüdischen Friedhofes ist die Stadt Montabaur zuständig.




Informationen zum Judenfriedhof finden Sie in:

Adalbert Böning. Grabinschriften des jüdischen Friedhofs in Montabaur.
Schriftenreihe zur Stadtgeschichte von Montabaur. Heft 7. Böning erfasste und übersetzte die Grabinschriften des jüdischen Friedhofs in Montabaur.


Ansprechpartner:

Paul Widner
Ehem. Lehrer für Geschichte am Mons-Tabor-Gymnasium
Stadtführer (Auf Anfrage: Führungen speziell zur jüdischen Geschichte)
Telefon: (02602) 44 86

pwidner@t-online.de



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