Großer Markt/Rathaus

Die vom Rhein aus Richtung Koblenz/Ehrenbreitstein durch den Spurkenbergforst (Montabaurer Höhe) über einen schmalen Höhenrücken zwischen dem Stadtbachtal und dem Aubach-/Gelbachtal von Süden zum Burgberg Humbach führende historische Landstraße bog an der Stelle des Großen Marktes rechtwinklig ab in das Aubach-/Gelbachtal, um mit einem Flussübergang durch eine Furt (und später Brücke) über den südlichen Westerwald das Gebiet an der Lahn bei Limburg/Hadamar zu erreichen. An dieser Stelle ist am Fuße des Burgberges die älteste Siedlung entstanden, die durch verstreut in den Flussniederungen an urbar gemachten Ackerflächen und Wiesen gelegene Gehöfte ergänzt wurde, mit einen späteren Herrenhof (Fronhof). Von Westen stieß an diese Stelle noch ein weiterer Verbindungsweg aus Richtung Vallendar hinzu.

Eine Fluchtburg auf dem Burgberg hatte neben dieser Siedlung auch den Flussübergang bereits in keltischer und germanischer Zeit an der Fernverbindung zwischen dem Rheintal, dem Neuwieder Becken und dem Lahntal mit dem Goldenen Grund bei Limburg sowie der Wetterau im Osten zu sichern. In römischer Zeit führte diese Verbindung von dem durch den Limes befestigten römischen Siedlungsgebiet am Rhein in die germanischen Siedlungsgebiete im Westerwald und an der Lahn. Diese Wegkreuzung am Fuße des Burgberges war somit der geeignete Ort für eine nach und nach wachsende Siedlung und spätestens seit dem frühen Mittelalter auch der bevorzugte Ort zur Abhaltung von Märkten, auf denen die Bauern der Umgebung ihre über den Eigenverzehr hinausgehenden landwirtschaftlichen Produkte absetzen oder tauschen konnten gegen Handwerkserzeugnisse und Handelswaren.

Mit der Verleihung der Stadtrechte durch König Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1291 erhielt die inzwischen zu einer städtischen Siedlung herangewachsene Stadt Montabaur besondere Vorrechte im Erzstift Trier, nämlich das eigene Bürgerrecht mit Loslösung von der an den zu bearbeitenden Grundstücken gebundenen Leibeigenschaft, das Recht zur Befestigung und Ummauerung der Stadt mit einer Stadtmauer und bewachten Stadttoren, das Marktrecht mit dem An- und Verkaufsmonopol aller Waren und Handwerksprodukte im Bannbezirk des Amtes Montabaur, das Recht zur Ausübung der kurfürstlichen Gerichtsbarkeit und das Recht zur Erhebung von Steuern und Abgaben nach Maßgabe der kurfürstlichen Verordnungen, die auch das Recht gewährten, Handwerkszünfte zu bilden. In der Folgezeit errichteten die Bürger der Stadt Montabaur rings um die Stadt, unter Einbeziehung der Burgbefestigung, eine massive Stadtmauer und eine vorgelagerte Stadtbefestigung mit 8 Stadttoren und zahlreichen Stadttürmen, an der die von der Bürgerschaft aufzustellende Bürgerwehr Wachdienste und Verteidigungsaufgaben wahrzunehmen hatte. Innerhalb der Stadtmauern entwickelte sich die Stadt Montabaur im 14. und 15.Jahrhundert zum Handels- und Gewerbezentrum des Erzstifts Trier im südlichen Westerwald. Schon um 1200 hatten die Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier in Montabaur ein Stadtgericht mit einem Schultheiß und 14 Schöffen eingesetzt, das anstelle der früheren adeligen Vögte, neben dem Burggrafen und Amtmann auf der Burg, in einem Gerichtsbannbezirk des Amtes und der Stadt die weltliche Gerichtsbarkeit in allen Zivil- und Strafverfahren bis hin zur hohen Gerichtsbarkeit mit Leib- und Lebensstrafen ausübte. Dieses Stadtgericht tagte und versammelte sich in dem am Großen Markt errichteten Rathaus, wobei es auch als Marktgericht tätig wurde. Die seit dem Mittelalter gewachsenen Märkte (Wochen-, Vieh- und Jahrmärkte) dehnten sich an den Markttagen über den Großen und Kleinen Markt hinaus in die angrenzenden Straßen (Kirchgasse, Steinweg, Rebenstock) und Gassen aus. In der bis 1490 auf etwa 2.000 Einwohner angewachsenen Stadt bildete sich seit dem 14. Jahrhundert aufgrund der vermehrten Verwaltungsaufgaben neben dem Stadtgericht ein Stadtrat mit einem jährlich wechselnden Bürgermeister aus den Reihen der Schöffen und mit 14 Ratsherren heraus, die vor Antritt ihres lebenslang auszuübenden Amtes vom Kurfürsten zu bestätigen waren. Die Ratsherren wurden aus den 13 Handwerkszünften ausgewählt, welche ihr Gewerbemonopol auch für die Amtsdörfer beanspruchten. Diese Zünfte nahmen berufsbildende und auch soziale Aufgaben für ihre Mitglieder wahr.

Die Stadt Montabaur wurde nach einem Stadtbrand von 1491 wenige Jahrzehnte später durch einen weiteren großflächigen Stadtbrand von 1534 vollständig zerstört, mit Ausnahme der Burg und massiver Bauteile der Pfarrkirche und einiger Gebäude. In mühsamer Aufbauarbeit gelang es über mehrere Jahrzehnte, die Stadt an derselben Stelle wieder aufzurichten und die Kirche, das Rathaus und die Bürgerhäuser wiederherzustellen. Die ältesten, heute noch erhaltenen Bürgerhäuser in der Altstadt stammen daher aus dieser Zeit im 16.Jahrhundert.

Das in den Jahren 1536-42 am Großen Markt wieder errichtete Rathaus war in der kurfürstlichen Zeit bis 1802 Versammlungs- und Tagungsort des Stadtgerichts, des Stadtrates und der Bürgerschaft zu ihren Bürgerversammlungen, zu denen sie mit der Rathausglocke einberufen wurde; es diente der Bürgerschaft auch zu Zunft- und Nachbarschafts-versammlungen sowie zu geselligen Bürgerfesten. Weil die dortigen Gerichtsversammlungen unter dem vor Gericht aufgestellten Standbild des „roten Löwen“ abgehalten wurden, hatte das Rathaus den Beinamen „Roter Löwe“ erhalten; die Bürger begaben sich jeweils „zum Löwen“, wenn sie zum Rathaus gingen. 

Das nach dem Stadtbrand wieder aufgebaute Rathaus, dessen Bild auf einem Gemälde von 1862 noch festgehalten ist, wurde kurz danach abgebrochen und in den Jahren 1866-1868 durch das heutige Rathaus am Großen Markt, in neugotischem Baustil mit Klinkerfassade nach Plänen des nassauischen Hochbauinspektors Hermann Adam Mäurer, ersetzt. Mit dem in den Jahren 1981-1982 im rückwärtigen Bereich angebauten Rathaus der Verbandsgemeinde Montabaur bildet es heute den zur Altstadt ausgerichteten Teil des Verwaltungszentrums der Verbandsgemeinde und Stadt Montabaur für 40.000 Einwohner.

Der Marktplatz war seit dem Mittelalter Treffpunkt der Bürgerschaft für Märkte, Versammlungen, öffentliche Bekanntmachungen, vielfältige Veranstaltungen und Umzüge zur Fastnachtszeit, und ist ein solcher „Bürgertreffpunkt“ bis heute geblieben. Er war auch mit dem Marktbrunnen ein zentraler Versorgungspunkt für die Wasserversorgung der Bürger; an diese Funktion erinnert der mit der Gestaltung der Fußgängerzone errichtete Marktbrunnen mit eingravierten Szenen der Stadtgeschichte. 

 

  


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