Stadtrundgang zeigt vielfältige Gründe für Flucht auf

Stadtrundgang zeigt vielfältige Gründe für Flucht auf

„BewegGründe“. So nannten die beiden Initiatorinnen Miriam Lemdjadi und Nina Weber ihren „interaktiven, performativen Stadtrundgang“.




 

Im Mittelpunkt stand das hochaktuelle Thema Flucht und damit verbunden die Frage, welche Gründe Menschen gestern und heute zum Verlassen ihrer Heimat bewegen. Die Gründe und Hintergründe bildeten Stoff für die vielfältigen Geschichten, Performationen und Mitmachaktionen, die die Teilnehmer an insgesamt 14 Stationen erleben konnten. Die Initiatorinnen hatten das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend und mit Unterstützung der Stadt Montabaur erarbeitet und durchgeführt.

 

Eine Teilnehmerin berichtet von ihren Erfahrungen mit den BewegGründen:

„Es ging los am Rathaus mit der Ausgabe der Audio-Guides (MP3-Player) und der Einweisung. Die Führung erfolgte hauptsächlich über den Audio-Guide. Der Weg war durch aufgesprühte weiße Fußspuren markiert. 14 Stationen galt es zu durchlaufen. Zwischen den Stationen wurden Lieder vom Westerwaldlied bis hin zu Klezmer und  äthiopischen Musikstücken eingespielt. An den Haltepunkten, gekennzeichnet durch einen überdimensionalen Fingerabdruck (das Symbol für die Registrierung der Flüchtlinge) und einer Nummer gab es Geschichten oder Texte, wie z.B. zum Stadtbrand, zur Auswanderung der Sespenrother bis hin zur Geschichte einer Flucht in Arabisch mit deutscher Übersetzung, die eine Studentin aus Aleppo, die jetzt in Montabaur wohnt, gesprochen hatte.

 

An verschiedenen Stationen gab es plakative oder szenische Darstellungen. Wie z.B. am Kleinen Markt wurde die Frage „Was ist Heimat für dich?“ bildlich dargestellt, am Hinterer Rebstock hörte man einen Text über den Stadtbrand von 1534 mit der Untermalung von knisterndem und loderndem Feuer. Passend dazu wurde in einem Eimer, der wie bei einer Wasserkette weitergereicht wurde, kleine Flaschen Trinkwasser ausgegeben.

 

Simulation eines Stadtbrands im Mittelalter: Wie die Montabaurer Bürger damals reichten die Teilnehmer Wasser in Eimern weiter. Die Menschenkette funktioniert.

Simulation eines Stadtbrands im Mittelalter: Wie die Montabaurer Bürger damals reichten die Teilnehmer Wasser in Eimern weiter. Die Menschenkette funktioniert.


Bei den Stolpersteinen am Rebstock erfuhr man die Geschichte der jüdischen Familie Kahn, bei einer gespielten Szene auf dem Konrad-Adenauer-Platz wurde der Frage nachgegangen, wie die Flucht sein würde, wäre sie eine geplante Flucht, wäre sie „Hals über Kopf“, was würde man mitnehmen, wenn man eigentlich alles zurücklassen muss, würde man sich verabschieden können? Von wem und wie?

Ein ganzes Leben in einen Koffer packen. Diese szenische Darstellung von Nina Weber zeigte auf wie schwierig es ist zu entscheiden, was man im Falle einer Flucht mitnehmen kann und will.

Ein ganzes Leben in einen Koffer packen. Diese szenische Darstellung von Nina Weber zeigte auf wie schwierig es ist zu entscheiden, was man im Falle einer Flucht mitnehmen kann und will.

Am Schaufenster des ehemaligen Hisgen wurde der Frage nachgegangen: Angenommen der Stadtbrand von 1534 wäre zum heutigen Zeitpunkt, würden wir bleiben und die Stadt wieder neu aufbauen oder würden wir gehen?

Eine tänzerische Szene wurde im Montabaurum von einem äthiopischen Mitbürger dargeboten. Währenddessen lief ein Text in amharischer Sprache im Kopfhörer. Beeindruckend war, wie er sich aus seiner bedrückenden Situation, die er am Boden liegend darstellte, langsam befreite und zum Schluss auf den Händen aus dem Raum ging. Als er zurück kam und sich verbeugte, sah man, dass er nur eingeschränkt gehen konnte und auf zwei Gehhilfen angewiesen war.

 

Die tänzerische Darbietung von Mekuannet Yetsedaw Mesfin beeindruckte die Teilnehmer besonders, weil er auf den Händen gehend die Welt gewissermaßen auf den Kopf stellte.

Die tänzerische Darbietung von Mekuannet Yetsedaw Mesfin beeindruckte die Teilnehmer besonders, weil er auf den Händen gehend die Welt gewissermaßen auf den Kopf stellte.

 

Zum Schluss der Führung tanzten die Mitglieder des Organisationsteams neben der katholischen Kirche eine Szene, die so endete, dass sie die Hände den Zuschauern entgegenstreckten. Es dauerte eine Weile bis man sich der Situation bewusst war, dass man diese Geste erwidern sollte. Schließlich gab man sich zum Abschied die Hände.

Abschließend konnte man Fragen stellen und sich über die Inhalte austauschen. Das Team, welches aus den Theaterpädagoginnen Nina Weber und Miriam Lemdjadi, der Teilnehmerin und gleichzeitig Stadtführerin Judith Rathmann und dem Tänzer Mekuannet Yetsedaw Mesfin bestand, wird diese Stadtführung noch weiter bearbeiten, eine Übersetzung in Englisch ist geplant. Auch sollen noch Unterrichtsmaterialien für Schulen erarbeitet werden.“





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