Jüdisches Mahnmal als Zeichen gegen das Vergessen


Jüdisches Mahnmal
als Zeichen gegen das Vergessen


Als „Zeichen gegen das Vergessen“ bezeichnete Stadtbürgermeister Klaus Mies das neue Jüdische Mahnmal, das am Wochenende feierlich eingeweiht wurde. Zu der Feierstunde im Rathaus und auf dem Großen Markt waren rund 300 Besucher gekommen, ...





 

... darunter auch viele Nachfahren ehemaliger jüdischer Bürger, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind.

Die Bürgerhalle des alten Rathauses war bis auf den letzten Platz belegt, viele Menschen standen im Eingangsbereich, auf den Treppen und draußen auf dem Großen Markt. Das Interesse der Montabaurer Bürger an dem Jüdischen Mahnmal war sehr groß, wie auch Stadtbürgermeister Klaus Mies in seinem Grußwort beeindruckt feststellte. Er begrüßte zunächst die Ehrengäste des Tages: Auf Einladung der Stadt waren rund 40 Gäste aus Israel, den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland angereist, um an der Einweihung des Jüdischen Mahnmals teilzunehmen. Sie alle sind Nachfahren der vom Holocaust betroffenen jüdischen Bürger der Stadt. Weiterhin hieß er die politischen Vertreter, Mitglieder des Stadtrats, Josef-Otto Schneider als Ehrenbürger, die Festredner, den Bildhauer Hans-Bernhard Olleck sowie den MGV Mendelssohn-Bartholdy und die Bläserklassen der Anne-Frank-Realschule plus willkommen, die für den musikalischen Rahmen der Feierstunde sorgten. In seinem Grußwort erinnerte der Stadtbürgermeister an die Ereignisse der Reichspogromnacht 1939: „Die in Montabaur lebenden Juden wurden vor das Rathaus getrieben und von hier aus in das Sammellager Kirchähr gebracht.“ Die Reichspogromnacht jährte sich am 9. November zu 75. Mal; deshalb wurde der Termin für die Einweihung des Jüdischen Mahnmals bewusst auf den 10. November gelegt. Bewusst hatte sich der Stadtrat auch für den Standort direkt vor dem Rathaus entschieden, denn hier war der Sammelpunkt, an dem die jüdischen Bürger zusammengetrieben und abtransportiert wurden. „Damit solches Unrecht in Zukunft nicht wieder geschieht, setzen wir heute mit diesem Mahnmal ein „Zeichen gegen das Vergessen“, schloss Klaus Mies.

Der Heimatforscher Dr. Hermann-Josef-Roth, Sohn des von den Nationalsozialisten abgesetzten Bürgermeisters Heinrich Roth, ließ die Geschichte des Judentums im Rheinland vom Mittelalter an Revue passieren und ging dabei immer wieder auf das Zusammenleben von Juden und Christen ein. Die Juden hatten andere Bräuche, eine andere Sprache und waren immer sehr gebildet: „Anders sein und Erfolg haben – das nährte schon immer unterschwellig Neid und Hass“. Deshalb erfüllten das Mahnmal und die Feierstunde erst dann ihren Sinn, „wenn wir nicht mehr Fremdes radikal ausgrenzen, nicht mehr Erfolge neiden, nicht mehr gute Absichten verleumden“, so Roth. Bewegende und sehr persönliche Worte fand Gerald Stern, dessen Vater Alfred Stern mit einem Kindertransport nach England gebracht wurde und so als Einziger der Familie den Holocaust überlebte. Stern, der mit seiner Frau und seinen Kindern in England lebt, schilderte, wie er 1999 erstmals mit seiner Familie nach Montabaur kam. „Damals waren keine Zeichen zu finden vom ehemals blühenden jüdischen Leben in dieser Stadt. Das hat uns sehr traurig gemacht.“ Seither hat sich Gerald Stern für ein jüdisches Denkmal in Montabaur engagiert und in dem ehemaligen Stadtrat Paul Widner einen zähen Mitstreiter gefunden. Auch für die Verlegung der Stolpersteine hatten sich beide gemeinsam stark gemacht. „Ich bin der Stadt Montabaur sehr dankbar, dass sie dieses Mahnmal hier an diesem Ort aufgestellt hat. Nun hat meine Familie auch einen Ort, wo sie trauern kann.“ Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte er Stadtbürgermeister eine gerahmte Widmung der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, in der das Engagement der Stadt Montabaur gewürdigt wird. Anschließend erhielt Rabbiner Bernhard Koschland das Wort. Bevor er das jüdische Trauergebet Kaddisch sprach, forderte er die Anwesenden auf, sich immer gegen das Vergessen einzusetzen: „Man muss immer etwas dafür tun, damit die Erinnerung wach bleibt. Das Nicht-Vergessen erfordert es, aktiv zu sein.“ Da viele der Gäste aus dem englischsprachigen Ausland angereist waren, übersetzte Mike Clarke, Lehrer am Mons-Tabor-Gymnasium, viele der Redebeiträge ins Englische.

Nach den Ansprachen gingen alle gemeinsam vor das Rathaus, wo Stadtbürgermeister Klaus Mies und Gerald Stern das Mahnmal enthüllten. Der Künstler Hans-Bernhard Olleck erläuterte sein Werk und seine Intentionen, die ihn beim Entwurf des Mahnmals geleitet haben.

Die Vorgeschichte des Jüdischen Mahnmals sowie die ausführlichen Erläuterungen des Künstlers wurden im Wochenblatt schon mehrfach dargestellt. Wer Interesse hat, kann alles noch einmal im Pressearchiv nachlesen.

 Stadtbürgermeister Klaus Mies (l.) mit Übersetzer Mike Clarke.

Stadtbürgermeister Klaus Mies (l.) mit Übersetzer Mike Clarke.
Hier können Sie die vollständige Rede nachlesen: Ansprache des Stadtbürgermeisters

 Der Heimatforscher Dr. Hermann Josef Roth (l.) referierte über die Geschichte des Judentums im Westerwald.

Der Heimatforscher Dr. Hermann Josef Roth (l.) referierte über die Geschichte des Judentums im Westerwald.

Hier können Sie die vollständige Rede nachlesen: Ansprache von Dr. Hermann Josef Roth

Die persönliche Ansprache von Gerald Stern bewegte die Zuhörer. Seine Kusine Roxanna Nocker übersetzte ins Deutsche.

Die persönliche Ansprache von Gerald Stern bewegte die Zuhörer. Seine Kusine Roxanna Nocker übersetzte ins Deutsche.

Hier können Sie die vollständige Rede nachlesen: Ansprache von Gerald Stern

 

Rabbiner Bernhard Koschland sprach das Kaddisch, das jüdische Trauergebet.

Rabbiner Bernhard Koschland sprach das Kaddisch, das jüdische Trauergebet.
Hier können Sie die vollständige Rede nachlesen: Ansprache von Bernd Koschland

Rabbiner Bernhard Koschland sprach das Kaddisch, das jüdische Trauergebet.

Gemeinsam enthüllten Klaus Mies (l.) und Gerald Stern das Jüdische Mahnmal vor dem Rathaus der Stadt.

 

Der Bildhauer Hans-Bernhard erläuterte sein Konzept für das Jüdische Mahnmal.

Der Bildhauer Hans-Bernhard Olleck erläuterte sein Konzept für das Jüdische Mahnmal.

 Gerald Stern (r.) überreichte eine Grußbotschaft an Klaus Mies.

Gerald Stern (r.) überreichte eine Grußbotschaft an Klaus Mies.

 

Der feierliche Rahmen wurde durch die Musik der Bläserklassen der Anne-Frank-Realschule plus unterstrichen.

Der feierliche Rahmen wurde durch die Musik der Bläserklassen der Anne-Frank-Realschule plus unterstrichen.

Mit Werken des jüdischen Komponisten verneigte sich der Männergesangsverein Mendessohn-Bartholdy vor seinem Namensgeber.

Mit Werken des jüdischen Komponisten verneigte sich der Männergesangsverein Mendessohn-Bartholdy vor seinem Namensgeber.

Die Bürgerhalle im Rathaus war zu klein für das große Interesse der Bevölkerung. Deshalb verfolgten viele auf dem Großen Markt die Ansprachen, die nach draußen übertragen wurden.

Die Bürgerhalle im Rathaus war zu klein für das große Interesse der Bevölkerung. Deshalb verfolgten viele auf dem Großen Markt die Ansprachen, die nach draußen übertragen wurden.


Sehen Sie hier viele weitere Bilder anlässlich der Enthüllung des Jüdischen Mahnmals:

Empfang der Gäste am Samstag, den 9. November 2013

Enthüllungsfeier am 10. November 2013



Sehen Sie hier den Film von der Errichtung des Mahnmals durch Hans-Bernhard Olleck:

Jüdisches Mahnmal der Stadt Montabaur

sowie weitere Hintergrundinformationen




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